Zu Beginn des Jahres war ich Teil eines Working-Out-Loud-Circles und das war toll. Denn mit WOL kam ich über die Heldenreise zum Thema #FrauenStärken im Kinderbuch. Wie kam das, und wie passt das nur zusammen? Bevor ich ins Detail gehe: es passt wunder-, wunderbar zusammen.
Bei WOL geht es darum sich 12 Wochen auf ein bestimmtes Ziel zu konzentrieren. Dazu gibt es wöchentliche Treffen in einem kleinen Kreis und bestimmte Aufgaben, die einem dabei helfen das Ziel zu erreichen. Mein Ziel war es zunächst mir mehr Wissen zum Thema Heldenreise anzueignen. So habe ich mich gefragt, ob es die Heldenreise auch ohne ein klassisches Gut und Böse gibt. Für diejenigen, die nicht wissen, was ich mit der Heldenreise meine: es ist eine uralte Struktur, mit der viele Geschichten erzählt werden und auf der zum Beispiel viele Superhelden-Filme basieren. Typischerweise gibt es einen guten Helden und einen Bösewicht, der am Ende besiegt wird und verschwindet oder stirbt. Genau das hat mich zum Nachdenken gebracht. Denn ist es wirklich so einfach? Wir sperren das Böse weg und alles ist wieder gut?
Ich gebe zu, die Frage ist doch auch sehr philosophisch. Doch ich habe sie mir gestellt und ich habe sie in der WOL #FrauenStärken Community gestellt und zahlreiche Kommentare dazu bekommen. Und sie hatten eins gemeinsam: ohne Regen kein Regenbogen! Es gibt immer und überall antagonistische Kräfte, denn so ist das Leben und so funktioniert die Heldenreise. Das Leben verläuft zyklisch und dazu gehören auch die Ups und Downs und eben gegenläufige Kräfte.
Doch natürlich müssen die vermeintlich bösen Elemente nicht zwangsläufig in der Form eines Bösewichts auftauchen oder gar ernsthaft böse sein. Auch der innere Kampf gegen die eigenen inneren Drachen lassen aus einer Geschichte eine Heldenreise werden. Und was mich daran ganz besonders fasziniert, ist die Variante, in der das vermeintlich Böse sich am Ende mit dem Guten zusammentut und sie gemeinsam etwas Neues, Größeres erschaffen.
Letztendlich ist das genau das, was im Kinderbuch passiert. Zwei Kinder machen einander die Sandburgen kaputt und erst nach einer Weile stellen sie fest, dass sie gemeinsam eine viel größere bauen können. Die Kräfte bündeln.
Und indem ich mir dessen bewusst geworden bin, habe ich auch festgestellt, dass ich mit meinen Ideen und Geschichten absolut im Genre Kinderbuch zu Hause bin. Während ich vorher noch dachte, dass ich ja auch eine Roman-Idee (was historisches) und mehrere Sachbuch-Ideen habe, weiß ich jetzt, was mir am Wichtigsten ist: Kindergeschichten gehen vor.
Ich bin Kinderbuchautorin.
Mein WOL Circle hat ganz schön doof geschaut, als ich in Woche 4 oder 5 sagte, ich wäre mit dem Thema durch, das ich mir vorgenommen hatte. War ich auch. Die Recherche zur Heldenreise war eine wertvolle Basis, doch die eigentliche Reise geht nun erst so richtig los. Mein Lesestapel ist deutlich größer geworden. Zur Heldenreise kommen nun Themen wie Adultismus und Rassismus dazu, denn im Kinderbuch gilt es jegliche Form von Diskriminierung zu vermeiden. Leider gibt es davon immer noch ganz schön viel. Doch mein Ziel ist es stattdessen ganz viel wertschätzende Kommunikation und Diversität aufzuzeigen.
Und hier schlage ich auch den Bogen zu #FrauenStärken. Denn FrauenStärken ist schon im Kinderbuch möglich durch starke Frauenfiguren und die Vermeidung von Klischees. Nicht umsonst sind Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter so erfolgreich geworden. Sie sind stark und unabhängig.
Das ist übrigens eine Theorie, die ich kürzlich gelesen habe: Jungs starten durch ihre Art zu spielen und zu raufen mit einem Unabhängigkeitsvorsprung ins Erwachsenenleben. Sie haben Übung darin sich abzugrenzen. Mädchen hingegen sind durch ihre Art von Spiel geübter in typischen Care-Tätigkeiten und Empathie. Sie sind jedoch nicht so geübt in Unabhängigkeit wie ihre Brüder.
Um also genau diese Unabhängigkeit bei Mädchen zu fördern, hilft es starke Frauenfiguren im Kinderbuch zu erfinden und einzusetzen. Oder auch bestehende Bilder zu verändern, wie zum Beispiel in der Neuerzählung von Schneewittchen von Fairytales Retold. Schneewittchen ist dort die „Mutigste im ganzen Land“ und befreit sich selbst.
Andersrum sind auch sensible Jungs im Kinderbuch nötig. Jungs, die rosa und lila mögen - und davon gibt es übrigens ganz schön viele. Übrigens mag ich rosa nicht besonders und genau deswegen habe ich Lust mal ein Bilderbuch ganz in rosa zu schreiben. Mit Jungs, die gerne Haarspangen und Kleider tragen und Teepartys mit ihren Puppen veranstalten. Genau das ist nämlich auch FrauenStärken. Jungs, die Dinge machen, die sonst Mädchen zugeschrieben werden. Wichtig ist mir hierbei, dass nicht als Besonderheit ins Zentrum rücken zu lassen, sondern diese Eigenschaften einfach nebenbei mit zu erzählen.
Und bei all den Gedanken wird mir eins klar: Es ist sehr sehr schwer nicht in die Klischee-Falle zu tappen. Wahrscheinlich gibt es deswegen so viele Kinderbücher, bei denen Tiere personifiziert werden. Doch machen wir Autor:innen es uns damit nicht zu einfach? Lasst uns mutiger sein. Lasst uns Geschichten erzählen von zarten Jungs und unabhängigen Mädchen. Und von Drachen. Kinderbücher können ruhig mehr Drachen vertragen. 🙂